Wir bringen Kunst in Ihren Alltag

Unser aktuelles Objekt der Woche

Mo, 3.8.2020

Mitzi Friedmann-Otten, Andruck des Stoffmusters Karst, 1910-1914

WWAD 94-1
Papier
© MAK
 
Zahlreiche Objekte dokumentieren die erfolgreiche Stoffproduktion der Wiener Werkstätte, deren Firmenarchiv im MAK verwahrt wird. Aufgrund der Fülle an Material  –  Reinzeichnungen, Farbproben, Druckstöcken, Andrucken, Muster- und Lagerbüchern sowie Karteikarten  –  ist es häufig möglich, den Weg eines Stoffmusters von seinem Entwurf über seine Produktion, bis hin zu dessen Verkauf nachzuvollziehen. Heutiges Objekt der Woche ist ein Andruck auf Papier des Musters „Karst“ und dokumentiert einen Zwischenschritt bzw. eine Testphase in der Herstellung. Das Muster fasziniert besonders ob seiner Modernität, wurde es doch bereits zwischen 1910 und 1914 von Mitzi Friedmann-Otten entworfen. 
 
Lara Steinhäußer, Kustodin MAK-Sammlung Teppiche und Textilien

Inspirationen - Bisherige Objekte

Mo, 27.7.2020

Unavailable. Verpackungsdesign für ein Parfum von Karen Salmansohn

Entwurf: Stefan Sagmeister, New York (City), 2000
Auftraggeber: Karen Salmansohn
Ausführung: Blue Q, Pittsfield
Offset
Höhe: 7.3 cm, Breite: 9.8 cm
KI 15735-54´
 
Die meisten Parfums versprechen Erfolg, das andere Geschlecht anzuziehen. Das Parfum der Linie Blue Q ist mehr als ein Parfum, es ist eine Philosophie. Es wird mit einer ausführlichen Anleitung geliefert. Der Parfümbehälter selbst, ein handelsübliches Glasfläschchen, ist kaum bemerkenswert. Bemerkenswert ist die vom Grafikdesigner Stefan Sagmeister gestaltete Verpackung: ein Buch mit dem Titel „Unavailable“ verhüllt den Flakon, der sich in einem gestanzten Fenster befindet. Der Entwurf ist eine Satire auf die Selbsthilfebücher der Frauen und liest sich wie eine Gebrauchsanweisung. Das Buch bietet 15 Ratschläge, wie sich eine Frau auf ansprechende Weise unerreichbar machen kann. Die Frau soll den Duft auf die Bettlaken, Handtücher und Hemdkragen ihres Mannes tupfen, damit sie ihm auf der Spur bleibt, während sie "Unavailable" ist. Die unscheinbare Ästhetik der Verpackung entspricht der Frau, die nicht verfügbar und unnahbar ist.
 
Kathrin Pokorny-Nagel, Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv
Mo, 20.7.2020

Was ist Loos?

„Kunsthalle Wien Chair“ 
Entwurf: Ineke Hans, Amsterdam/Wien, 2017 
Ausführung: Gebrüder Thonet Vienna – Wiener Design, Turin 2017; Buche, massiv und gebogen, Sperrholz; MAK H 3939/2018; Schenkung Kunsthalle Wien
 
Fauteuil A 64 F 
Entwurf: Adolf Gustav Schneck, Stuttgart, um 1928 
Ausführung: Thonet Mundus, 1930er Jahre; Buche, massiv und gebogen, Sperrholz; MAK H 2618/1981; Schenkung Friederike Niedermoser
 
Im Zuge ihrer Ausstellung Was ist Loos? entwarf die Künstlerin Ineke Hans 2017 ein speziell auf die Bedürfnisse der Kunsthalle Wien abgestimmtes Bugholzmöbel: Der stapelbare Reihenstuhl für Konferenzen und Vorträge soll auf die Tradition der Wiener Architektenmöbel von Adolf Loos, Otto Wagner und Josef Hoffmann aus der Zeit um 1900 anspielen, erinnert aber tatsächlich eher an die Stühle des deutschen Architekten und Ent-werfers Adolf Gustav Schneck aus der Zeit um 1930.
 
Sebastian Hackenschmidt, Kustode MAK-Sammlung Möbel und Holzarbeiten
 
Mo, 13.7.2020

Lotus und Eisvogel

China, Ming-Dynastie (1368–1644), 16. Jh.
Tusche und Farbe auf Seide (japanische Montierung), bezeichnet:
„Im Jahre bingshen [das ist 1536 oder 1596] von Sun-zhi-zhang gemalt“
Mal 132 / 1949, ehemals Sammlung Exner, Wien
 
Lotus und Eisvogel, beide Symbol für den Sommer und mit einem engen Bezug zum Buddhismus, haben ein paradoxes Verhältnis zueinander. Die duftende, stoisch aus dem Schmutzwasser herausragende Lotusblume verkörpert Reinheit, der Eisvogel stellt wegen seiner schillernden Erscheinung hingegen haltlose Eitelkeit und Egoismus dar. Dieses gegensätzliche Duo versinnbildlicht jedoch als Paar die Umkehr von Sünde, Lebewesen zu töten und zu verzehren: ein anmutig ästhetischer Anblick im Moment des Verzichts.   

Mio Wakita-Elis, Kustodin MAK-Sammlung Asien
Mo, 6.7.2020

CHÂTELAINE

Paris, um 1780
Gold, Email
BJ 1193
© MAK
 
Vergessene Dinge – vergessene Wörter: In den letzten Wochen haben wir viel aufgeräumt und womöglich so manches (wieder)gefunden. Auch beim Bereinigen der Sammlungs-Datenbank tauchten wundersame Dinge auf mit so wohlklingenden Namen wie: Agraffe, Karaffindl, Parure oder Petschaft. Auch die Châtelaine war darunter, ein in den Rock- oder Hosenbund eingehakter Anhänger, der sehr aufwändig gestaltet sein konnte. Unser Beispiel trägt Goldemails mit kleinen Szenen und der Inschrift: „Lier le coeur cest le verai boneur“ (Das Herz zu binden, ist das wahre Glück). An die fünf Kettchen konnten wichtige Gebrauchsgegenstände geknüpft werden: eine Uhr, ihr Schlüssel zum Aufziehen, Nähutensilien oder ein Petschaft.
 
Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv
Mo, 29. Juni 2020

Schüssel

Iran, Kerman, Safawidische Periode
1.H. 17. Jahrhundert
Weißes Steinzeug mit kobaltblauer Schlickerglasur und Dekor in Sgraffitotechnik
OR 783, vormals k.k. Handelsmuseum, Wien
 
Das Blau mit seinem breiten Farbspektrum ist eine der Besonderheiten bei persischen Keramiken. Einen frischen Kontrast zum blauen Fond erzeugt hier der weiße Scherben, der von der kobalthaltigen Glasur in Medaillon-Form mit Arabesken ausgespart wurde. Kobaltblau stellte im Übrigen einen Vermittler zwischen dem heutigen Iran und weiten Gebieten wie Ostasien, dem Nahen Osten und dem Mittelmeerraum dar. Das Blau ist ein Zeuge transkultureller Verbundenheit und symbolisiert den Himmel, nach dem wir uns so sehr sehnen. 
 
Mio Wakita-Elis, Kustodin MAK-Sammlung Asien
Mo, 22.6.2020

Quell der Gesundheit

Atelier: Atelier Der Kreis, Wien, 1954
Auftraggeber: Bad Deutsch Altenburg
Druckerei: Chwala’s Druck
Flachdruck
Höhe: 60 cm, Breite: 84 cm
PI 6107
 
Bereits die Römer wussten um die heilenden Kräfte der Jod-Schwefelquelle im Gebiet des damaligen römischen Legionslagers Carnuntum (heute Kurzentrum Bad Deutsch Altenburg). Die Gestalter des Plakates „Atelier der Kreis“ nehmen auf die Historie direkten Bezug. Das Bild bestimmende Sujet zeigt eine Quelle mit der am Brunnenstein eingemeißelten römischen Bezeichnung „LEG XIIII G M V“. Die Inschrift versinnbildlicht die am Limes stationierte 14. Legion „Gemina Martia victrix“, die in Carnuntum rund 300 Jahre ihren Grenzdienst versah. Die Darstellung der gebrochenen Krücke spannt den Bogen der heilenden Wirkung des Wassers von der Römerzeit in das Heute. 
 
Peter Klinger, Stellvertretende Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung
Mo, 15.6.2020

Verena Dengler, Invoice (Kiesler / Black Widows), 2016

 
VERENA DENGLER
GK 689  
Verena Dengler, Invoice (Kiesler / Black Widows), 2016
Getufteter Teppich
 
Als Black Widows inszenierten Verena Dengler, Janina Audick und Sachiko Hara im Rahmen der MAK-Ausstellung FRIEDRICH KIESLER. Lebenswelten (2016) die Geburt des Bucephalus (1964), einer monumentalen Skulptur Kieslers, benannt nach dem Pferd von Alexander von Mazedonien, das Franz Kafka als Dr. Bucephalus in einer Kurzgeschichte auftreten ließ. Die Black Widows – am Eröffnungsabend gemeinsam mit Lili Reynaud-Dewar – aktivierten Kunst- und Theaterwelten. Einen getufteten Teppich, Teil der Installation in der Ausstellung, ließ Dengler nach einem Beleg Kieslers zum Verkauf eines Wandteppichs von Fernand Léger anfertigen. Die Arbeit stellt die schwierige Einkommenssituation für KünstlerInnen und die Produktionsbedingungen des Kunstsystems zur Diskussion. 
 
Bärbel Vischer, Kustodin MAK-Sammlung Gegenwartskunst
Mo, 8.6.2020

Indische Tunika (Aba)

Nordindien (Kutch oder Gujarat), um 1900
Seide bestickt, kleine Spiegelplättchen
© MAK
 
Beim heutigen Objekt handelt es sich um indische Frauen-Bekleidung. Die stahlblaue Seide der Tunika ist an den Ärmeln und im Brustbereich besonders reich verziert, in die Stickerei sind zahlreiche Spiegelplättchen eingearbeitet. 1905 wurde diese Tunika gemeinsam mit einer passenden Hose im orientalischen Teppichhaus Eduard Janeczka in Wien erworben. Bereits 1891 scheinen in der ersten  großen Costüm-Ausstellung des MAK (damals ÖMKI) indische, mit Spiegeln bestickte Leihgaben gezeigt worden zu sein. Derartige Kleidung wurde auch in KünstlerInnenkreisen gerne getragen: Mileva Roller ließ sich 1908 in einer vergleichbaren Tunika aus ihrer Trachtensammlung von Madame D'Ora porträtieren, die heute in der Kostümsammlung der Angewandten aufbewahrt wird.
 
Lara Steinhäußer, Kustodin MAK-Sammlung Textilien und Teppiche
 
Mo, 1.6.2020

Plakat MEM Seifen

Entwurf: Julius Klinger
Auftraggeber: M[artin] E[mil] Mayer Wien, Österreich, 1917 - 1922
Flachdruck
Höhe: 125.5 cm, Breite: 95 cm
PI 1141
 
Dem wirtschaftlichen Abwärtstrend nach dem Ende des Ersten Weltkrieges entgegnet der Handel mit verdichteten Werbefeldzügen. Für die Kampagne der Firma für Toilette-Artikel und Seifenerzeugung „MEM“ engagiert der Firmenchef Martin Emil Mayer die Crème de la Crème der Plakatschaffenden in Österreich, unter ihnen auch Julius Klinger. Er konzipiert seine MEM-Plakate stets um die Initialen des Firmengründers Mayer. Die stilisierte Katze steht als Synonym für Reinlichkeit und tägliche Körperpflege, die selbst entworfene Typografie formalisiert Architektur. Das Motto des Plakates könnte lauten: „Reinlichkeit ziert jedes Haus ...“
Julius Klinger überzeugt mit seinen flächigen, nur in Rot und Schwarz gehaltenen Plakaten durch zweckorientierte Sachlichkeit, gepaart mit einem Schuss Humor. 

 
Peter Klinger, Stellvertretende Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung

Mi, 27.5.2020

Schaukler

Schaukelfauteuil Nr. 1 
Entwurf: Gebrüder Thonet, 1860 
Ausführung: unbekannt, um 1880/90
Buche, massiv gebogen, Leder, gepolstert 
MAK H 2199/1969
Schenkung Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft
 
Schaukelstuhl „Erlkönig“ 
Entwurf: breadedEscalope, Wien, 2011 
Ausführung: breadedEscalope, Wien, 2011
Buche, gebogen, Kunststoff, Metall 
MAK H 3607/2012
 
Der erste Schaukelfauteuil der Gebrüder Thonet wurde ab 1860 aus massiv gebogenem Holz hergestellt. Wie bei allen weiteren Varianten auch wurden Sitz, Rückenlehne und Verbindungsstücke zwischen zwei identischen Seitenteilen montiert. Bei einer Schaubiege-Aktion im MAK 2011 verwandelten die Designer der Gruppe breaded-Escalope einen ausrangierten und leicht beschädigten Plastik-Stapelstuhl mit selbstge-bogenen Buchenholzlatten in einen brauchbaren Schaukelstuhl. 

Sebastian Hackenschmidt, Kustode MAK-Sammlung Möbel und Holzarbeiten
Di, 12.5.2020

Satztische

Satztische „Hoffmann“ 
Entwurf und Ausführung: Ovidiu Anton, Wien 2012 
Absperrbretter von Straßenbaustellen 
MAK H 3627-1/2012
 
Satztische Nr. 986 
Entwurf: J. & J. Kohn, 1905 
Ausführung J. & J. Kohn, um 1906; Buche, massiv und gebogen, Sperrholz 
MAK H 3988/2019; Schenkung 
 
Mit seinem 2012 entstandenen Möbelobjekt „Hoffmann“ hat sich der Künstler Ovidiu Anton auf die in den unterschiedlichsten Ausführungen verbreiteten, klassisch-modernen Satztische bezogen: Sets von mehreren ineinander verschachtelbaren Beistelltischen, die um 1900 auch von verschiedenen Bugholzmöbelherstellern produziert wurden. In ihrer formal reduziertesten Version werden sie bis heute – allerdings ohne konkreten Nachweis – Josef Hoffmann zugeschrieben und als vermeintliche „Designklassiker“ produziert. 

Sebastian Hackenschmidt, Kustode MAK-Sammlung Möbel und Holzarbeiten
Mo, 4.5.2020

reversed volumes

Schalen 
Entwurf: mischer'traxler, Wien 2010
Produktion: PCM Design, Madrid 2013
Lebensmittelechtes Harz, gegossen 
Die Serie an Schalen und Tellern bezieht ihre Form von Blättern und Früchten aus der Natur. Diese wurden direkt abgeformt. Die Objekte bringen eine neue Sicht auf natürliche Formen – das lebensmittelechte Harz, in dem sie seriell produziert werden, ist allerdings keineswegs rein natürlich. Das Designstudio hatte ursprünglich ökologischere Materialien für die Produktion  vorgesehen, doch das Vorhaben scheiterte an den hohen Kosten für Zertifikate und Bescheinigungen, die erforderlich gewesen wären, um Produkte aus dem alternativen Material weltweit als lebensmittelecht verkaufen zu können.
 
Fri, 10.4.2020

Postkarte Nr. 793 „FROHE OSTERN“

Entwurf: Arnold Nechansky, Wien, 1912
Lithografie
KI 8873-180
© MAK
Di, 7.4.2020

Frontini Wohnhof / Casa Fontini

Künstler: Bernard Rudofsky, 1939 bis 1941
Papier, Aquarellfarbe
Aquarell
Höhe: 48,5 cm, Breite: 66 cm
KI 15024

Der Architekt Bernard Rudofsky entwarf für seine Wohnhäuser Höfe oder Zimmer im Freien. Durch die in die Wohnhöfe integrierten Naturräume bleiben Zurückgezogenheit, Privatsphäre und Intimität nicht auf den Innenraum beschränkt. Rudofskys Architektur soll den Ansprüchen menschlicher Lebensqualität Folge leisten und sowohl für tätiges als auch für kontemplatives Wohnen, für intensive und sinnliche Erfahrungen Raum bieten. Gerade in Zeiten von Quarantäne und Ausgangsbeschränkungen ist es inspirierend, den Lebensraum an der Schnittstelle zwischen Nähe und Abgeschiedenheit zu denken. Casa Fontini und die Villa Arnstein zählen zu Rudofskys bedeutendsten Bauten. Sie sind zwischen 1939 und 1940 in seiner Zeit im Exil in Brasilien entstanden.

Janina Falkner, Neue Lernkonzepte, MAK
Mi, 20.5.2020

Schwarzes Portemonnaie mit grünem Spiralornament

WI 804
Wiener Kunst im Hause, schwarzes Portemonnaie mit grünem Spiralornament, 1910
Glattleder in Batiktechnik bemalt, Futter aus Seide
© MAK
 
Nicht nur in Werken Gustav Klimts wie im „Lebensbaum“ der Kartons für den Stoclet-Fries (1911 vollendet) finden sich Spiralranken, diese waren in Wien auch in der künstlerischen Gestaltung von Accessoires zur Zeit des Jugendstils beliebt. 1910 vom ÖMKI (heute: MAK) bei der „Wiener Kunst im Hause“, einem Zusammenschluss von Hoffmann- und Moser-SchülerInnen, erworben, wurde für dieses Stück keine KünstlerIn im Inventarbuch notiert. Sucht man in den zeitgenössischen Ausstellungskatalogen, scheint als Entwerferin jedoch die ehemalige Kunstgewerbeschülerin Johanna Poller-Hollmann plausibel, von der auf der Ausstellung Österreichischer Kunstgewerbe 1909-1910 eine „Lederbrieftasche. Gebatikt“  gezeigt wurde.
 
Lara Steinhäußer, Kustodin MAK-Sammlung Textilien und Teppiche
 
Mi, 6.5.2020

ANHÄNGER MIT PARFUMFLAKON

monogrammiert JW, Wien um 1840
Gold, Email, Glas
BJ 1470
© MAK/ Georg Mayer
 
Die Tulpenblüte ist vielfach schon vorbei – wir erhalten sie uns mit einem kunstvollen Anhänger aus Gold und Email. Pastellfarbene Blütenblätter einer geflammten Tulpensorte lassen sich über zwei Scharniere öffnen und geben ein Parfumfläschchen frei, das mit einem winzigen Emaildeckel verschlossen ist. Welchen Duft es wohl ausströmte? Etwas Blumig-Orientalisches, wie die „Verpackung“ vermuten lässt? Welche Bedeutung hatte das Parfümieren im 19. Jahrhundert: übertünchen, reinigen, repräsentieren, verführen? Zeit, einmal wieder in Alain Corbins Klassiker „Pesthauch und Blütenduft“ hinein zu lesen…
 
Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv
 
Mi, 22.4.2020

Briefbogen mit floral verziertem Liebesgedicht „My love“

Entwurf: England, Mitte 19. Jahrhundert
Stecher und Verlag: London Rock & Co.
Stahlstich, kolorierter Prägedruck
KI 8794-2
© MAK

Individuell gestaltetes Briefpapier ist im privaten, aber auch im geschäftlichen Bereich zunehmend aus der Mode gekommen. Andere Kommunikationsformen wie E-Mail, SMS, WhatsApp und Instagram zur Übermittlung von Kurznachrichten, Informationen oder Botschaften haben die Luxusvariante einer fast völlig leeren Seite Papier überflüssig gemacht. Gerade jetzt, in Zeiten von sozialer Isolation und viel Freizeit, eröffnet sich die Chance, Grüße und Gedanken mit Muße zu formulieren und so diejenigen, denen wir schreiben, in besonderer Weise zu ehren.

Kathrin Pokorny-Nagel, Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv
Mi, 15.4.2020

No Isolation AV1 – Telepräsenzavatar für Kinder mit langwieriger Erkrankung

2015
Kunststoff, elektronische Bauteile, App
Leihgabe No Isolation B.V.
Teil des MAK DESIGN LAB
Video
 
AV1 ist ein Roboter für Kinder und Jugendliche, die chronisch oder lange Zeit krank sind. Der handliche und leichte Avatar nimmt für das Kind seinen Platz im Klassenzimmer ein. Er lässt es über die zugehörige App am Unterricht teilnehmen und ermöglicht sogar soziale Interaktion mit MitschülerInnen.

Marlies Wirth, Kustodin MAK-Sammlung Design, Kuratorin Digitale Kultur
Do, 9.4.2020

Osterkarte

Prag, 1918–1925
Klischee, Farblithografie
KI 8876-139
© MAK
Fri, 3.4.2020

breadedEscalope BAR NON-LIEU

2012/2016
H 3902

Die BAR NON-LIEU ist auf den ersten Blick ein Möbelstück, das in seiner Dimensionierung an einen klassischen Barschrank erinnert. Innen fungiert es als kompakte Bar für Zweisamkeit. Das Schließen der Türen schafft einen Rückzugsraum für zwei Bar-BesucherInnen. Von außen sind dann nur Beine und Unterleib der Gäste sichtbar, Gesten und  Worte bleiben im Schrank. Im Innenraum beziehen sich breadedEscalope gestalterisch bewusst auf die von Adolf Loos entworfene „American Bar“ (auch bekannt als „Loos Bar“) im ersten Wiener Gemeindebezirk. Das Äußere hingegen gleicht einer robusten Transportkiste mit (abnehmbaren) Beinen.

Marlies Wirth, Kustodin MAK-Sammlung Design, Kuratorin Digitale Kultur
Di, 31.3.2020

BLUMENSCHALE & ENTWURF FÜR EINE BLUMENSCHALE

BLUMENSCHALE
Entwurf: Eduard J. Wimmer-Wisgrill, 1910
WI 977
© MAK/Georg Mayer

ENTWURF FÜR EINE BLUMENSCHALE
Eduard J. Wimmer-Wisgrill, 1909
KI 13212-1
© MAK

„Kunst in den Alltag“ – nach diesem Motto war die Wiener Werkstätte 1903 angetreten, den Alltagsgegenständen ihre Qualität wiederzugeben und die Verschönerung des Lebens voranzutreiben. Ganz wichtig war dabei die Tafelkultur, ablesbar an unendlich vielen Entwürfen für Besteck, Service, Gläser sowie Schalen und Aufsätze für Blumen oder Obst. Dazu gehört auch das heutige Objekt, das sich sein Entwerfer ursprünglich durchbrochen und mit einer ultramarinblauen Glaseinlage vorstellte. Angefertigt wurde es in geschlossener Form aus vergoldetem Silber.

Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv



Do, 26.3.2020

Andachtsbild mit dem Martyrium der Heiligen Corona

Wien, 2. Viertel 19. Jahrhundert
Stecher: F. Donhoffer
Verleger: J. Bermann
Kolorierter Kupferstich
KI 8108-179
© MAK

Corona hat unser Leben völlig auf den Kopf gestellt. Wer von uns denkt dabei schon an eine frühchristliche Märtyrerin, die Heilige Corona? Indem sie von den hochschnellenden Palmbäumen, an denen sie festgebunden worden war, zerrissen wurde, erlitt sie ihr Martyrium. Ihr Name bedeutet „Krone“, weshalb sie in nachmittelalterlicher Zeit zur Patronin und Helferin in Geldangelegenheiten wurde. Die Heilige Corona wird aber auch um Hilfe gegen die Ausbreitung von Seuchen angefleht. Genau das, was wir in unserer derzeit von Krankheit und wirtschaftlichen Sorgen erschütterten Welt brauchen!

Kathrin Pokorny-Nagel, Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv


Mo, 25.5.2020

HALSSCHMUCK „NOLI ME TANGERE“

Beppe Kessler, 1997
Styropor, Acrylfarbe, Faden
BJ 1699-1
© MAK
 
Ein schmuckvoller Abstandhalter ist diese Kette, Umarmung nicht empfohlen. „Berühr‘ mich nicht“, sagt sie mit ihren stacheligen Kugeln, die an die gleichnamigen Fische erinnern oder an Kastanien in ihren Fruchthüllen. Es sind die vielfältigsten Materialien, mit denen die holländische Schmuckkünstlerin Beppe Kessler arbeitet, oftmals stellen dabei Kunststoffe natürliche Gebilde nach. Aus der Zeit der Kugelkette stammt auch ein goldenes „Wiener Herz“ – ebenfalls mit Stacheln versehen. Ist es wirklich so schlimm? Wir sehen Besserung, gerade in diesen Zeiten.
 
Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv
 
Do, 14.5.2020

Verena Dengler „Sponsors“

2001–2014
 
Permanente Selbstvermarktung und die eigene (artifizielle) Identität als „Brand“ (Marke) zu definieren, gehört selbstverständlich zum (Arbeits-)Alltag der „Millennials“, jener Generation, die zwischen den 1990er und 2000er Jahren Teenager waren und das Potenzial des Internet und sozialer Netzwerke für sich entdeckten. Mit der feministischen Aneignung traditioneller Handarbeitstechniken, in die Verena Dengler digital gezeichnete Bilder und Logos überträgt, verknüpft die Künstlerin in ihrer Arbeit Sponsors die Idee des kontinuierlichen Imagetransfers zwischen Marken und Einzelpersonen zu einer Stickerei, die zwischen 2001 und 2014 – über einen Zeitraum von 13 Jahren – entstand. Sponsoring erfolgt in Erwartung einer Gegenleistung, deren Anforderungen von den GeldgeberInnen gestellt werden. Bedingung ist die visuelle Präsenz der Marke, die darüber transportierten Botschaften und Assoziationen machen die KonsumentInnen zu ProduzentInnen von ideologischem Mehrwert: „Namedropping“ als Produktions- und Erfolgsstrategie.
 
Marlies Wirth, Kustodin MAK-Sammlung Design, Kuratorin Digitale Kultur
 
Mo, 11. Mai 2020

Obststudie mit Äpfeln und Pflaumen

Entwurf: Anton Tomschik, Wien, 1857
Deckfarbe, Tusche
KI 11295-6
© MAK
 
Studien von Blumen, Pflanzen und Obst machen den Großteil der rund 6 000 Entwurfszeichnungen im Nachlass der Wiener Porzellanmanufaktur aus. Diese naturalistische Darstellung von Äpfeln und Pflaumen, die für die Ausführung auf Tafelgeschirr angefertigt wurde, bringt bei genauerer Betrachtung die einzigartigen Eigenschaften dieser Früchte in höchster Brillanz zur Geltung und macht Lust, sie zu verspeisen.
 
Kathrin Pokorny-Nagel, Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv
Mi, 29.4.2020

Red, Old Woman, Yellow, Black Eyes, Brown, Pride Belt, Blue, Drilled Ears, Silver, Carpet Seeds, Blue, Teenage Acne

NILBAR GÜRES
2014
Installation, Stoff, indigene Röcke
GK 669
Foto: © Martin Janda

Die Künstlerin untersucht die Verbindung von kultureller Identität und feministischen Rollenbildern, die sie subversiv und humorvoll in Szene setzt. Die Dynamik von Sichtbarkeit, Verhüllen und Verbergen ist auch in dieser Arbeit von Bedeutung. Güreş setzt hier Röcke und Accessoires indigener BewohnerInnen Brasiliens wie individuelle Versatzstücke ein, die gemeinsam wie ein Mahnmal wirken: gegen den Kolonialismus und die facettenreiche Unterdrückung von Frauen, die sich bis heute weltweit in den Alltag eingeschrieben hat.

Bärbel Vischer, Kustodin MAK-Sammlung Gegenwartskunst
Mo, 6.4.2020

„DŌKE DARUMA-KEN“ 道外だるまけん

„DŌKE DARUMA-KEN“ 道外だるまけん
1847
Ukiyoe-Künstler: Utagawa Kuniyoshi,
Signatur: Ichiyūsai Kuniyoshi giga 一勇斎国芳戯画
Verlag: Horimasa 彫正
Zensurstempel: Yoshimura 吉村, Muramatsu 村松
KI 7628-46 / 1905, Sammlung H. Siebold
© MAK/Georg Mayer

Das in der Edo-Zeit (1603–1868) populäre ken-Spiel (ken asobi 拳遊び) funktioniert ähnlich wie „Schere, Stein, Papier“. Es wird von zwei oder drei Personen gespielt, die dabei verschiedene Körperhaltungen einnehmen müssen. Dieser Farbholzschnitt aus dem Jahr 1847 zeigt die Fuchs-ken-Variante: Der Dorfvorsteher (in amtlicher Sitzhaltung, unten rechts) schlägt den Jäger (zeigt die „Gewehr“-Geste, rechts oben), der den Fuchs schlägt; der Fuchs (mit erhobener Tatze, links unten), der im japanischen Volksglauben mit magischen Kräften ausgestattet ist, schlägt aber den Dorfvorsteher. Ken entlockt den SpielerInnen ihr persönliches kreatives Potenzial. Gekonnte oder auch weniger gekonnte Darbietungen sorgen dabei für Momente der Heiterkeit. Genau das Richtige für StubenhockerInnen.

Mio Wakita-Elis, Kustodin, MAK-Sammlung Asien

Mo, 27.4.2020

UNGARISCHES HOFKLEID (MIEDER, ROCK, SCHLEIER)

aus dem Atelier VARGES
2. Hälfte 19. Jahrhundert
Seide, Metallfaden; Tüll, Klöppelspitze, Posamentrie
T 10370
© MAK

Wohl keineswegs „underdressed“ war die einstige Trägerin dieses Objekts. Laut Etikett stammt das reichlich mit silbernem und goldenem Metall bestickte Kleid aus dem Atelier VARGES, das nachweislich zwischen 1864 und 1886 von Christine und Anna Varges in der Wollzeile 1 in Wien geführt wurde. Die beiden Schwestern zählten zu den frühesten weiblichen k. k. Hofkleidermacherinnen, zu ihrer betuchten Klientel gehörte u. a. die Kaiserin von Mexiko. Vor allem durch die charakteristische Schnürung des Mieders lässt sich dieses Objekt als ungarisches Hofkleid identifizieren. Zu den Krönungsfeierlichkeiten 1867 wäre man in diesem Ensemble höchstwahrscheinlich bestens gekleidet gewesen.

Lara Steinhäußer, Kustodin MAK-Sammlung Textilien und Teppiche

Fr, 24.4.2020

SUBSTITUTE PHONE

Klemens Schillinger
2017
Kunststoff, Aluminium, Steinperlen
MAK DS 386

Scrollen, zoomen, wischen und streichen: Das Berühren des Smartphones wird oft zu einem repetitiven, beinahe zwanghaften Ritual und ist längst Teil unseres Alltags. Klemens Schillinger entwirft ironisch analoge Ersatzobjekte mit beruhigender Wirkung gegen Smartphone-Entzugserscheinungen.

Marlies Wirth, Kustodin MAK-Sammlung Design, Kuratorin Digitale Kultur

Di, 21.4.2020

ARBEITSTISCH („HAUSLABTISCH“)

Wien, 1790
Entwurf und Ausführung: Franz von Hauslab
Marketerie aus verschiedenen Hölzern, vergoldete Bronzebeschläge
H 508
© MAK

Briefe schreiben, eine fast vergessene Art zu kommunizieren! Was könnte in der heutigen Zeit romantischer sein als eine handgeschriebene Liebesbotschaft! Vielleicht ein kleines Kunstwerk?

Das heutige Objekt des Tages geht noch einen Schritt weiter: Es ist ein Arbeitstisch und zugleich eine dreidimensionale Liebeserklärung an eine Gräfin. Ritter von Hauslab, der einer langen Tradition folgte, wonach Adelige ein Handwerk erlernen sollten, fertigte ihn 1790 als Meisterstück seiner Tischlerausbildung an. Die aus Einlegearbeiten bestehende Tischplatte gibt ein Rätsel auf: In der Mitte eines Blumenarrangements ist eine Biene dargestellt und darüber ist zu lesen: „J’ai trouvé la Reine“ („Ich habe die Königin gefunden“). Hauslabs „Königin“ ist jedoch nicht die der Bienen, sondern „Ma chère Comtesse“. So betitelt er die Gräfin in einem hölzernen „Liebesbrief“, der den Boden der linken Lade des Tisches bildet. Ein Wunderwerk an Fantasie, Handwerkskunst und persönlicher und zeitaufwendiger Leidenschaft.

Gabriele Fabiankowitsch, Leitung Vermittlungs- und Bildungsprogramme
Di, 14.4.2020

STOFFMUSTER

vor 1865
Seidenes Jacquardgewebe mit Musterschuss aus Glasfaser
T 707
© MAK

Dieses Objekt mag auf den ersten Blick unspektakulär wirken. Obwohl es schon seit 1865 in der MAK-Sammlung ist, wurde dieses Stoffmuster „moderner französischer Fabrikation“ bis dato noch nie ausgestellt. Das Besondere ist das Material des goldglänzenden Musterschusses, aus dem die Blätter gefertigt sind: Es handelt sich um Glasfaser. Ab dem 18., vor allem aber im 19. Jahrhundert wurde Glas bereits zu feinsten Fäden gezogen und damit so flexibel gemacht, dass es zu textilen Produkten und Accessoires verarbeitet werden konnte. Verglichen mit den uns heute geläufigen Glasfasergeweben für den Isolierbedarf oder den Datentransfer gewinnt dieses Textil dann wohl doch an Besonderheit.

Lara Steinhäußer, Kustodin MAK-Sammlung Teppiche und Textilien
Mi, 8.4.2020

Künstlerpostkarte „Frohe Ostern“

Entwurf: CR v. G., Wien, 1915–1925
Verleger: Postkartenverlag Brüder Kohn (B.K.W.I.)
Farblithografie
KI 8876-58
© MAK

Do, 2.4.2020

ENTWÜRFE FÜR DIE WW-POSTKARTEN NR. 641 UND 642

Mela Koehler, 1912
WWPKE 80, WWPKE 81
© MAK

Die Grafikerin Mela Koehler hat zwischen 1907 und 1912 mehr als 150 Post- und Tischkartenmotive für die Wiener Werkstätte entworfen. Ihr Hauptsujet „Mode“ hat sie dabei teils elegant, teils augenzwinkernd mit den Themen Krampus, Weihnachten, Neujahr, Ostern oder Kinderspiele verbunden. Besonders gelungen, ja fast mitreißend, ist eine Serie aus sechs quadratischen Karten mit ball- oder reifenspielenden Mädchen – eines übt mit dem Diabolo. Bevor man sich wieder im Freien richtig austoben kann, bieten wir eine „virtuelle Freiheitsbewegung“ im World Wide Wonderland, einem Spiel, das für die neue MAK LAB APP entwickelt wurde.

Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv

Mo, 30.3.2020

HOLZSPIELZEUG AUS DER WIENER KUNSTGEWERBESCHULE

1920er Jahre
PL 968
© MAK

Kunst für Kinder und von Kindern war vor hundert Jahren ein großes Thema. Die berühmte Wiener Kunstschau 1908 widmete dem Thema „Kunst für das Kind“ einen eigenen Raum, wo vor allem handgearbeitetes Spielzeug, aber auch Möbel und Dekor für das Kinderzimmer gezeigt wurden. Auch der Jugendkunstkurs von Franz Čižek an der Kunstgewerbeschule (heute Universität für angewandte Kunst Wien) erfreute sich besonderer Beliebtheit. Hier stand nicht das Lernen von Techniken im Vordergrund, sondern die Kreativität, die sich in allen Materialien ausdrücken sollte. Schon damals wurde davon gesprochen, dass „jeder Mensch als Künstler geboren“ sei.

Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv

Mi, 25.3.2020

Stoffmuster "La Pensée"

nach einem Entwurf von Raoul Dufy für Atelier Martine
aus einem Musterbuch der Firma J. Claude Frères & Cie, 1911–1913
T 12859
© MAK

Ein weiteres meiner persönlichen Lieblingsobjekte ist das Musterbuch der Pariser Firma J. Claude Frères & Cie der Jahre 1911 bis 1913, in dem 1 165 „anonyme“ Druckstoffe – ohne Hinweis auf ihre Hersteller – als „Inspiration“ für AbonnentInnen gesammelt wurden. Darin sind nicht nur zahlreiche Stoffmuster der international erfolgreichen Wiener Werkstätte eingeklebt, es finden sich auch welche des berühmten französischen Künstlers Raoul Dufy für das Atelier Martine, das vom französischen Modeschöpfer Paul Poiret gegründet wurde. So auch das Motiv La Pensée („Vergissmeinnicht“), zu dem sich in der Sammlung des FIDM Museum in Los Angeles ein „Zwilling“  finden lässt.

Lara Steinhäußer, Kustodin MAK-Sammlung Textilien und Teppiche
Di, 24.3.2020

Reisetasche mit Eisenbahnmotiv

Mitte 19. Jahrhundert
Leder, Baumwolle, Glas- und Metallperlen; bestickter Stramin
T 11642-7
© MAK

Der Inbegriff des fortschrittlichen Reisens im 19. Jahrhundert prangt als Emblem auf diesem schicken Accessoire für den mondänen Freizeit-Genuss: die Dampflokomotive. Mit ihren reduzierten Grautönen erinnert sie nicht nur an das glänzende Metall und die Rauchschwaden des industriellen Zeitalters – sie ziert die verschließbare Reisetasche aus Leder wie eine Grisaille (Grau-in-grau-Malerei). Taschen wie diese waren damals sehr en vogue, wie fast identische Modelle in der Sammlung des Deutschen Historischen Museums in Berlin  sowie im Museum Weißenfels im Schloss Neu-Augustusburg in Weißenberg an der Saale zeigen.

Lara Steinhäußer, Kustodin MAK-Sammlung Textilien und Teppiche

Mo, 18.5.2020

Sessel 107

„Anlehnung“ ans Biedermeier 
Sessel 107 
Entwurf Robert Stadler, Wien 2011 
Ausführung: Thonet Frankenberg, um 2012; Buche, massiv und gebogen, Sperrholz 
MAK H 3740/2013
Schenkung Thonet Frankenberg

2011 entwarf Robert Stadler für Thonet einen schlichten, aber anspielungsreichen Stuhl, der vor allem aufgrund seiner Rückenlehne interessant erscheint: Der aus Wien stammende Designer „lehnte“ sich dabei deutlich an die Tradition der Wiener Biedermeier-Stühle an, deren charakteristische, halbrund gebogene Rückenlehnen auch als mögliche Inspirationsquelle für die beiden frühen Thonet-Klassiker Nr. 8 und Nr. 14 gelten können.

Sebastian Hackenschmidt, Kustode MAK-Sammlung Möbel und Holzarbeiten
Fr, 8.5.2020

Modebild aus 'L'Élégance Parisienne': Maskierte Frau im Spielkartenkleid neben einer Dame in einem Kleid mit Blumenmotiven

Entwurf und Lithograf: Guido Gonin, Paris, 1881
Herausgeber: Adolphe Goubaud & Fils
Druckerei: H. Lefévre
Kreidelithografie, handkoloriert
Höhe: 36.2 cm, Breite: 27.6 cm
KI 8011-5
 
Die beiden Damen, in ihren aufwendig gerafften Röcken, engen Korsetts und aufwendigen Accessoires, führen die aktuelle Pariser Haute Couture vor. Typisch für den Historismus wird Bekleidung nicht mehr im Warenkatalog abgebildet, sondern in künstlerisch und technisch aufwendig produzierten Modezeitschriften an der Trägerin vorgeführt. Damit wird die Modeillustration von der Vorlage zur Verheißung eines eleganten repräsentativen Lebensstils durch Geschichten, die sie erzählt. So lässt das „Kartenspielkleid“ sofort an den Reiz des Glückspiels und weniger an einen Bridgeabend unter FreundInnen denken. Um nicht erkannt zu werden, trägt sie Maske.

Kathrin Pokorny-Nagel, Leitung MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung/Archiv
Fr, 17.4.2020

WW-POSTKARTE NR. 152

Entwurf: Oskar Kokoschka, 1908
KI 8873-3
© MAK

Die Postkarte war für die Wiener Werkstätte (WW, 1903–1932) ein willkommenes Medium, um ihren Kunstanspruch einem breiten Publikum zu vermitteln. Ab 1907 widmeten sich die KünstlerInnen der WW diesem „Kleinkunstwerk“ auf höchst unterschiedliche Weise: humorvoll, skurril, erzählerisch, dokumentarisch oder poetisch. Auch Oskar Kokoschka inspirierte das Format. Er schuf 16 Motive, darunter eine Reihe von Nachtbildern wie die Postkarte Nr. 152.  Die lesende oder handarbeitende Frau am Fenster war ein beliebtes Sujet der Biedermeierzeit, hier steht es weniger für Idylle als für eine unbestimmte Sehnsucht.
 
Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv
Mi, 1 Apr 2020

HERZFÖRMIGER ANHÄNGER

1911/12
Entwurf: Stephanie Hunfalvy
Ausführung: Wilhelm Haarstrick
WI 1167
© MAK/Georg Mayer

Wer mag sich nicht an diesem filigranen Gespinst erfreuen, das 18 Perlen, zehn Diamantrosetten, Citrin und verschiedenfarbige Saphire zu einem kostbaren Kleinod machen! Nach einem Entwurf der Textil- und Schmuckkünstlerin Stephanie Hunfalvy wurde der Anhänger vom Salzburger Goldschmied Wilhelm Haarstrick ausgeführt und 1912 auf der Frühjahrsausstellung des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute MAK) gezeigt. Die Filigran-Technik ist traditionell – und weltweit – mit dem Volksschmuck verbunden, und führte in unserem Beispiel zu einer subtilen modernen Version des Herz-Anhängers für die weibliche Tracht.

Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv
Fr, 27.3.2020

WIENER-WERKSTÄTTE-POSTKARTE NR. 32 & BLUMENKÖRBCHEN

WIENER-WERKSTÄTTE-POSTKARTE NR. 32
Entwurf: Leopoldine Kolbe, 1907
KI 8873-192
© MAK

BLUMENKÖRBCHEN
Entwurf: Josef Hoffmann, 1906
(zeitgenössische Fotografie)
WWF 97-24-3
© MAK

Den Anfang machten 1904 einfache Serviettenringe von Josef Hoffmann mit ausgeschnittenen Quadraten: Es war das Geburtsjahr der berühmten „Gitterobjekte“ der Wiener Werkstätte (WW). Es gab sie als Brot- und Obstkörbe, als Vasen mit Glaseinsatz oder als Blumenständer aus weiß lackiertem Zinkblech. Ab 1908 wurden sie zu Hunderten von der Metallwarenfabrik Christoph Cloeter erzeugt, gehörten also zu den echten Verkaufsschlagern der WW. Genauso wie die Postkarten, die ab 1907 in Umlauf kamen und, wie in unserem Beispiel, für die eigenen Waren fantasievoll Werbung machten.

Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv