Ausstellung

BUCHEINBÄNDE DER WIENER WERKSTÄTTE

Mi, 08.03.2017–So, 18.06.2017
Ausgehend von der englischen Arts & Crafts-Bewegung setzten sich auch die Wiener Künstler um 1900 für die Neugestaltung des Bucheinbandes ein. Große Impulse gingen dabei von der Wiener Werkstätte (1903–1932) unter den Entwerfern Koloman Moser (1868–1918) und Josef Hoffmann (1870–1956) aus. Unterstützt wurden die beiden Künstler von Carl (Karl) Beitel (1866–1917), der in Wien als hervorragender Buchbinder bekannt war und ab Mai 1904 als Meister das Buchbinder-Atelier in der Wiener Werkstätte leitete.

Die ersten Bücher wurden in Marmorpapier (Tunkpapier), das selbst hergestellt wurde, gebunden. Gleichzeitig entwarfen sowohl Moser als auch Hoffmann Bucheinbände in Leder. Zumeist wurde dafür Ziegenleder (Maroquin) mit stärkerer, körniger Narbung oder solches mit glatter Oberfläche verwendet. Gelegentlich griff man aber auch auf Krokodil-, Schlangen-, Frosch-, Eidechsen- und Perlrochenhaut oder Stoff zurück.

Die Geometrisierung war das vorherrschende Gestaltungsprinzip bei den reich dekorierten oder schlicht gestalteten Bänden. Mit den in der Werkstätte vorhandenen Lederstempeln konnten die vielfältigsten Lösungen erzielt werden. Parallele Linien, Quadrate, Rauten, Ellipsen, Kreise, Ovale, Spiralen, Ranken sowie stilisierte Blätter, Blüten und Früchte waren die bevorzugten Motive, die die Einbände überzogen oder darauf nur als Einzeldekor eingesetzt waren. Gelegentlich wurde mit der Konzeption des Einbandes dem Inhalt des Buches Rechnung getragen und die Gestaltung des Äußeren mit dem „Inneren“ in Beziehung gesetzt.

Mit Ende der 1910er Jahre wurden die für die Einbandgestaltung verwendeten Motive verspielter und üppiger – speziell die Künstlerinnen schufen handbemalte, bisweilen getriebene oder pressreliefierte Bucheinbände. Ab 1924 setzte Hoffmann Wellenprofile für die Buchdeckel ein, etwas später wurden profilierte, geometrische Holzraster aufgebracht, die wiederum mit Leder überzogen wurden.

Mag es uns heutzutage verwundern, dass dem kostbaren Buch zugeneigte Personen damals nicht mit der Verlags ausgabe zufrieden waren, sondern KünstlerInnen beauftragten, Einbände für ihre Ankäufe zu entwerfen, so war dies im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eine durchaus übliche Praxis. In der Wiener Werkstätte wurden zwischen 1904 und 1929 über 300 Bucheinbände entworfen.

Anhand der in der Ausstellung BUCHEINBÄNDE DER WIENER WERKSTÄTTE präsentierten Objekte aus Privatbesitz – hervorzuheben sind die Sammlungen Ernst Ploil und Richard Grubman – und aus der MAK-Sammlung kann die ungeheure Fülle an Ideen und die Vielfalt in der handwerklichen Umsetzung, die die Bucheinbände der Wiener Werkstätte kennzeichnen, aufgezeigt werden.

Gastkurator: Ernst Ploil Kuratorinnen: Elisabeth Schmuttermeier, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv; Maria-Luise Jesch, Assistenz, MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv

KuratorInnenführungen

Di, 14.3.2017, 18:30 Uhr
mit Ernst Ploil, Gastkurator

Di, 4.4.2017, 18:30 Uhr
mit Maria-Luise Jesch, Kuratorin, MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv

Di, 16.5.2017, 18:30 Uhr
mit Elisabeth Schmuttermeier, Kuratorin, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv

Expertinnenführung

Sa, 10.06.2017, 11:00 Uhr
Sa, 10.06.2017, 14:00 Uhr
Was ist Kleisterpapier, was ist Tunkpapier? Buntpapiere bei Bucheinbänden der Wiener Werkstätte
Expertinnenführung durch die Ausstellung BUCHEINBÄNDE DER WIENER WERKSTÄTTE mit der Buchrestauratorin Ilse Mühlbacher

Führung (in English)

Sa, 10.06.2017, 12:00 Uhr - 12:30 Uhr
Guided tour through the exhibition BOOK COVERS OF THE WIENER WERKSTÄTTE

MITTWOCHS IM MAK

Mi, 19.04.2017, 15:00 Uhr 
Bucheinbände der Wiener Werkstätte
Ausstellungsführung, anschließend weiterführendes Gespräch im Restaurant Salonplafond im MAK.

MAK4FAMILY

Workshop für die ganze Familie (ab 4 Jahren)
Teilnahmegebühr: € 4,50 pro Kind
Ermäßigter Eintritt für Begleitpersonen
Sa, 22.04.2017, 14:00 Uhr - 16:00 Uhr 
Kleider für die Bücher - wir ziehen Bücher an!
Vor mehr als 100 Jahren war es große Mode, Bücher zu gestalten und zu verpacken. Es entstanden kleine Kunstwerke, die zuerst auf Papier entworfen und dann aus Leder, Papier und Karton umgesetzt wurden. MINI MAK hat für euch einen Arbeitsbogen entworfen, mit dem ihr euer eigenes Museumsheft gestalten könnt.
Sa, 27.05.2017, 14:00 Uhr - 16:00 Uhr 
Kröte, Frosch und Schlange – was hat das mit MINI MAK zu tun?
Vor mehr als 100 Jahren gab es noch keinen Artenschutz, da durfte man die Haut dieser Tiere noch verarbeiten – zu Taschen, Gürteln und auch zu Bucheinbänden. Wer findet schnell heraus, wo in der Ausstellung BUCHEINBÄNDE DER WIENER WERKSTÄTTE welche verwendet wurden? Wir entwerfen dann gemeinsam einen Einband für euer Lieblingsbuch – artenschutzgerecht.
Sa, 10.06.2017, 14:00 Uhr - 16:00 Uhr 
Kleider für die Bücher - wir ziehen Bücher an!
Vor mehr als 100 Jahren war es große Mode, Bücher zu gestalten und zu verpacken. Es entstanden kleine Kunstwerke, die zuerst auf Papier entworfen und dann aus Leder, Papier und Karton umgesetzt wurden. MINI MAK hat für euch einen Arbeitsbogen entworfen, mit dem ihr euer eigenes Museumsheft gestalten könnt.

Für die großzügige Unterstützung danken wir
Richard Grubman
Ernst Ploil

Veranstaltung

Schausammlung

MAK-Schausammlung Wien 1900

Design / Kunstgewerbe 1890–1938

MAK-Schausammlung Wien 1900

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MAK-Sammlung

Wiener-Werkstätte-Archiv

Kustodin: Elisabeth Schmuttermeier

Die Wiener Werkstätte prägte die Designgeschichte nachhaltig und ist bis heute Impulsgeber in ästhetischen Fragen. Neben zahlreichen Objekten verwahrt das MAK seit 1955 auch ihr Archiv, das Einblicke in die Produktions- und Entstehungsprozesse ihres umfassenden Œuvre ermöglicht.

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