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ANGEWANDTE KUNST. HEUTE

STIEFEL & COMPANY ARCHITECTS

Faux Terrains
Mi, 23.05.2012–So, 16.09.2012

Beim Betrachten oder Betreten einer Architektur, eines (Innen-)Raumes, Gebäudes oder öffentlichen Platzes geschieht eine Form der Interaktion zwischen Subjekt und Objekt. Sehen und Begehen verändern die Wahrnehmung unserer Umgebung, die daraufhin immer aufs Neue verworfen wird.

Das interdisziplinär und kollaborativ arbeitende Atelier erachtet das Terrain als grundlegende Bedingung für und als Einschränkung von Architektur zugleich. Ausgehend vom Begriff des Faux Terrain (falscher Boden) – ursprünglich war damit der Vermittlerraum zwischen der zwei- und dreidimensionalen Realität der Panoramagebäude des 19. Jahrhunderts gemeint – untersuchen Stiefel & Company Architects in ihrer Ausstellung Beobachtungs- und Beschreibungsprozesse als grundlegende Komponenten der Raumproduktion, wobei sie BetrachterInnen und NutzerInnen als Co-AutorInnen unserer konstruierten Umgebungen verstehen.

Das Faux Terrain kann letztlich jedes künstliche Konstrukt beschreiben, das die Hierarchie zwischen dem Realen und dem Virtuellen zugunsten eines Austauschs zwischen mehreren möglichen Realitäten aufhebt. Dementsprechend verstehen Stiefel & Company Architects Faux Terrains sowohl als Entwurfsmethode wie auch als praktikable Rolle von Architektur im öffentlichen Raum.

Der andere Blick Die Ausstellung zeigt neben verschiedenen Architekturmodellen vier eigens für die MAK-Ausstellung entstandene Filme, die einzelne Projekte bzw. Referenzmaterial mit Bezug zu den Projekten und zum Entwurfsprozess verhandeln. Dabei werden unterschiedliche Blickwinkel auf Projekte des Ateliers zur eingehenden Betrachtung gezeigt: Neben der dokumentierenden Bildprojektion Betrachtung 1 erlauben die experimentellen Filme Betrachtung 2 und Betrachtung 3, die in Zusammenarbeit mit den Künstlern Josh Müller und Stephan Lugbauer entstanden sind, einen externen filmischen Blick auf Arbeiten von Stiefel & Company und vermitteln einen spezifischen Einblick in einige ihrer Referenzräume. In Betrachtung 4 wiederum geht es um den konkreten Blick auf ein Faux Terrain in Buffalo, New York. Das filmische Gesamtkonzept für die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit den Künstlern Josh Müller und Stephan Lugbauer entwickelt.

Stiefel & Company Architects geht im Frühling 2012 aus dem 2003 von den Schweizern Hannes Stiefel (Architekt) und Thomas Kramer (Publizist) gegründeten Architekturbüro Stiefel Kramer Architecture Wien|Zürich hervor. Seit 2011 wirkt Patrick Krähenbühl als Visiting Partner bei Stiefel & Company Architects.

Hannes Stiefel studierte Architektur an der Universität für angewandte Kunst Wien (Meisterklasse Wolf D. Prix) und an der SCI-Arc Los Angeles. Nach Lehraufträgen an der Angewandten, der Universität Innsbruck sowie den Universitäten in Buffalo/New York, Ottawa/Kanada und Beirut/Libanon ist Hannes Stiefel derzeit Gastprofessor an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Das Architekturbüro nahm an zahlreichen Ausstellungen teil, u.a. an der Biennale di Venezia 2006 und 2010, und wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem outstanding artist award in der Kategorie Experimentelle Tendenzen in der Architektur des bm:ukk (1995) und dem Förderpreis der Stadt Wien (2007).

Kuratorin Marlies Wirth
 

Eine Kooperation von MAK und Universität für angewandte Kunst

Ausstellungsreihe ANGEWANDTE KUNST. HEUTE Der Begriff „angewandte Kunst“ ist, im Unterschied zu konkreteren Spartenbezeichnungen, dazu in der Lage, nicht nur die Tendenzen eines zunehmend konzeptuellen und „künstlerischen“ Designs zu fassen, sondern auch jene zeitgenössischen Entwicklungen, in denen die „freie“ Kunst ihren Gebrauchswert kritisch hinterfragt und durch konkrete Dienstleistungen, Nutzungsangebote und Grundlagenforschung für zukunftsweisende Denkansätze und Wirkungsbereiche permanent erweitert. Dabei wird weniger der Autonomieanspruch der freien Kunst in Frage gestellt, als vielmehr ein Potential deutlich, das das Begriffsfeld der „angewandten Kunst“ ausdehnen und erweitern könnte.
 


Weitere Termine der Ausstellungsreihe:


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