Die Studiensammlung Textil zeigt seit 1993 in wechselnden Ausstellungen Teilbereiche der Sammlung, die die Vielfalt der textilen Bestände des MAK präsentieren.
Das MAK verfügt über eine ungewöhnlich reiche und vielfältige Sammlung an Textilien und Teppichen aus Europa, weiten Teilen Asiens, Afrikas und Amerikas: von spätantiken ägyptischen Grabfunden (abrufbar auf MAK Sammlung online) über mittelalterliche Tapisserien, Stickereien und Paramente, von den weltberühmten osmanischen und safavidischen Teppichen des 16. und 17. Jahrhunderts über Textilien der Wiener Werkstätte bis zu zeitgenössischer Mode.
Bis zur Industriellen Revolution waren Textilien, diese fragilen Zeugen der Vergangenheit, waren weltweit die wichtigsten Wirtschaftsgüter nach Edelmetallen und Nahrungsmitteln und auch heute noch sind sie bedeutende internationale Handelsobjekte. Mit den Textilien kamen auch wertvolle Farbstoffe und komplexe Techniken sowie Formen, die Eingang in die europäische Ornamentik fanden, nach Europa. Durch frühe Industriespionage gelangte sowohl das Wissen um die Kultivierung der Rohstoffe als auch die Kenntnis ihrer komplizierten Weiterverarbeitung nach Europa. Große Eroberer brachten oft Weber und Sticker als Beute mit in die Heimat: Roger II. von Sizilien etwa entführte sie im östlichen Mittelmeer, Timur verschleppte sie nach Samarkand, Afonso de Albuquerque von Indien nach Lissabon.
Da Textilien aufgrund ihrer Fragilität nur temporär ausgestellt werden sollten, wird in der Studiensammlung jährlich wechselnd ein Ausschnitt aus der Sammlung präsentiert, der als exemplarisch für die Kunstgeschichte der Textilien, ihrer Verarbeitungs- und Dekorationstechniken sowie ihrer kulturhistorischen Kontexte stehen kann. In den vergangenen Jahren wurden Ausstellungen zu so unterschiedlichen Themen wie Kaschmirshawls, Kirchenparamente, ein Bettensemble des Prinzen Eugen oder Fächer präsentiert, die nahezu vollständig aus den Beständen der Sammlung zusammen gestellt werden konnten. Einige Ausstellungen wurden von wichtigen Publikationen begleitet, wie etwa Verletzliche Beute, die früh erworbene so genannte koptische, d.h. spätantike Textilien, welche in ägyptischen Gräberfeldern geborgen wurden, präsentierte Völker, Angela: Verletzliche Beute, MAK Studies 5, MAK Wien / Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit, 2005). Auch die Ausstellung Spitzen und so weiter zur Spitzensammlung Berta Pappenheims wurde in Buchform publiziert (Völker, Angela: Spitzen und so weiter , MAK Studies 11, MAK Wien / Schlebrügge.editor, Wien, 2007)
In der MAK-Schausammlung Romanik Gotik Renaissance wird das oft lange Weiterleben stilistischer Charakteristika im Kunstgewerbe sichtbar. Als besonderes Highlight ist hier der älteste, im Ensemble vollständig erhaltene Ornat aus dem Mittelalter zu sehen.
Die Zusammenstellung von kostbaren Gläser und wertvollen textilen Spitzen in der MAK-Schausammlung Renaissance Barock Rokoko folgt nicht nur kunsthistorischen Gesichtspunkten, sondern setzt diese delikaten Materialien auch in einen visuell-sinnlichen Dialog, der ihre ästhetische Wirkung besonders deutlich zum Vorschein kommen lässt.
Mit dem Ziel, anhand herausragender Sammlungsobjekte den über Jahrhunderte währenden Kulturtransfer zwischen Asien und Europa nachvollziehbar zu machen, wird die MAK-Schausammlung Asien grundlegend neu aufgestellt.
Die Kooperation von MAK und departure, der Kreativagentur der Stadt Wien, konzentriert sich auf das Potential von Design als Strategie für wirtschaftliche Innovation und gesellschaftlichen Wandel.